Wohin geht die Reise für Audi Hungaria


2018 feierte Audi Hungaria 25-jähriges Jubiläum. Neben dem Rückblick schaute das Unternehmen auch auf die kommenden 25 Jahre und formulierte dafür im ersten Schritt eine neue Strategie.

Die 25-jährige Geschichte der Audi Hungaria war keine „spontane“ Reise mit zufälligen Abzweigungen. Im Gegenteil: Diese Entwicklung war von aufeinanderfolgenden und strategisch gut aufgebauten Ankerpunkten geprägt, die von einem Erfolg zum nächsten führten. Gerade jetzt, in herausfordernden Zeiten, sind klar definierte Ziele unverzichtbar, ebenso wie die Planung der Wege, um sie zu erreichen. Diese Roadmap oder – im digitalen Sinne – dieses GPS hilft, den richtigen Weg für das Unternehmen festzulegen. Mit Achim Heinfling, dem Kapitän der Audi Hungaria, haben wir über die neue Unternehmensstrategie gesprochen.

Warum schien es angezeigt, eine neue Strategie zu entwickeln?

Wir leben in einer Welt, die sich rasant verändert, dies gilt auch für die Rahmenbedingungen unserer Industriebranche. Erfolgreiche Unternehmen zeichnen sich dadurch aus, dass sie sich auch in turbulenten Zeiten mit der Zukunft beschäftigen! Diese Überlegungen führten zur neuen Strategie der AUDI AG, mit der wir die Marke konsequent auf die Zukunft ausrichten. Mit dieser Strategie gibt Audi Antworten auf die Megatrends Digitalisierung, Urbanisierung und Nachhaltigkeit. Schließlich ist die Zukunft elektrisch, digital und vernetzt.

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Und wie sehen Sie darin die Rolle der Audi Hungaria?

Die Audi Hungaria ist eine tragende Säule des Audi Konzerns, sie hat bis heute eine herausragende Rolle übernommen und muss diese auch künftig übernehmen.

Und wohin geht die Reise für Audi Hungaria?

In Zukunft arbeiten wir im Sinne unserer Vision „Audi Hungaria begeistert. Mobilität aus Győr.“. In diesem angestrebten Leitbild wollen wir nicht nur unsere Kunden begeistern, sondern alle unsere Stakeholder. Ob Mitarbeiter, Konzernvorstand oder Lieferant: Audi Hungaria begeistert uns alle! Das heißt andersherum, wir alle begeistern uns als Mitarbeiter für unser Unternehmen und unsere Aufgaben – und das zeigen wir auch gerne. Mobilität aus Győr bedeutet: Wir arbeiten leidenschaftlich – im Einklang mit der AUDI AG – an der Mobilität von heute und morgen.

Können Sie das näher beschreiben?

Basierend auf einem Gerüst von vier Unternehmenswerten haben wir strategische Zielfelder definiert. Dabei sind unsere Basiswerte Wertschätzung, Offenheit, Verantwortung und Integrität. Im Fokus unserer strategischen Ziele steht die Nachhaltigkeit – der Einklang von Ökologie, Ökonomie und Gesellschaft, was wir als nachhaltige Entwicklung unseres Unternehmens definiert haben.

„Audi Hungaria begeistert. Mobilität aus Győr.“

Achim Heinfling Vorsitzender des Vorstands
Achim Heinfling

Und wie steht es konkret mit der ökologischen Verantwortung des Unternehmens? 

Unser Ziel ist, einen möglichst kleinen ökologischen Fußabdruck zu hinterlassen, indem wir die Umweltleistung für einen Motor bzw. ein Auto deutlich senken, das heißt den gesamten Energieverbrauch, den Kohlendioxidausstoß, den Wasserverbrauch und die Abfallmenge. Dafür haben wir zahlreiche Maßnahmen getroffen und zielen darauf, alternative Energien einzusetzen. All dies bringt uns unserem Ziel einer CO2-neutralen Produktion näher. 70 Prozent unserer Wärmeenergieversorgung gewinnen wir aus geothermischer Energie. Auf Grundlage einer Anfang 2019 geschlossenen Vereinbarung mit E.ON werden wir auf den beiden Gebäudedächern unseres Logistikzentrums Europas größten Solaranlagepark errichten. Daneben recyceln wir bereits 99,5 Prozent des Abfalls, der bei uns anfällt. Sie können sehen, dass wir immer daran arbeiten, unseren Footprint zu verbessern.

„Weiterentwicklung
Geschäftsfelder“

Zwei wesentliche strategische Ziele sind die Weiterentwicklung der Geschäftsfelder und die Transformation des Kerngeschäfts. Was ist darunter konkret zu verstehen?

Die meisten sehen in Audi Hungaria einen Motoren- und Autohersteller. Aus der Kategorie sind wir jedoch längst herausgewachsen. Zusätzlich zu den Motoren und Autos, die bei uns produziert werden, haben wir auch einen vielfältigen Werkzeugbau, der Karosserieelemente für Sportmodelle wie den Audi R8 fertigt, in unserem Presswerk stellen wir unter anderem auch Karosserieteile für den Audi e-tron her. Unsere Technische Entwicklung wird kontinuierlich erweitert, wir bekommen immer mehr Verantwortung, während die Győrer Entwicklungsingenieure bei Weitem nicht mehr nur mit der Unterstützung der Produktion beschäftigt sind, sondern an der Entwicklung bestimmter Antriebe arbeiten und beispielsweise den bei uns gefertigten CNG-Motor unter Leitung der Audi Hungaria entwickelt haben. Auch bestimmte Elemente der Győrer E-Motorenkonstruktion zeugen vom Know-how ungarischer Ingenieure. Damit bauen wir Kompetenzen und Dienstleistungen kontinuierlich aus, die über die Grenzen der Audi Hungaria hinausweisen.

Ja, Veränderung heißt, dass heute die Öffnung gegenüber anderen Bereichen unverzichtbar ist.

Dies spüren wir auch, daher haben wir uns unter dem strategischen Ziel „Transformation Kerngeschäft“ zum Ziel gesetzt, unsere Grundbereiche neu zu strukturieren. Die Schlüsselwörter heißen hier Elektromobilität und Digitalisierung. Audi Hungaria ist das Leitwerk der E-Motorenproduktion im Audi Konzern. Diese Position müssen wir weiter stärken und auch die kommende Generation der E-Motoren in Győr fertigen. Elektromobilität zeigt sich selbstverständlich ebenso in unserer Automobilproduktion. In Zukunft werden auch bei Audi Hungaria elektrisch angetriebene Autos produziert. Neben unseren Produkten revolutionieren wir zudem die Produktionstechnologie. Im Bereich E-Motorenproduktion haben wir die Bänder durch eine modulare Produktion ersetzt, die den Prozess flexibler und effizienter macht. Mit der Digitalisierung unserer Produktion machen wir unser Unternehmen zukunftsfähiger und sichern langfristig unsere Wettbewerbsfähigkeit.

Beim Stichwort Wettbewerbsfähigkeit sind auch hochqualifizierte Arbeitskräfte ein wichtiges Thema. 

Dem stimme ich völlig zu. Daher legen wir besonderes Gewicht auf die Kompetenzentwicklung und Weiterbildung unserer Mitarbeiter. Auch der Arbeitsmarkt ist im Umbruch begriffen, Berufe entstehen und verschwinden. Wir haben die Aufgabe, das Know-how unserer Mitarbeiter ständig aktuell zu halten und im Rahmen unserer dualen Ausbildung und Hochschulkooperationen die Ausbildung der kommenden Generation zu fördern. Der größte Wert der Audi Hungaria liegt nicht in den Maschinen und Anlagen, sondern im Engagement und Know-how ihrer Belegschaft. Uns ist wichtig, unseren Mitarbeitern attraktive und sichere Arbeitsplätze zu bieten. Wir sind uns unserer Verantwortung bewusst, schließlich ist das Schicksal von 13.000 Menschen und ihren Familien eng mit der Leistung der Audi Hungaria verknüpft. Ich bin sehr stolz, dass in unserem Unternehmen mittlerweile schon Generationen, Väter und Söhne, für unser gemeinsames Ziel arbeiten.

Für die Mitarbeiter ist auch die Lebensqualität in der Region von Bedeutung. Inwieweit ist Audi Hungaria mit der Stadt und der Region verbunden?

Seit ihrer Gründung ist die Audi Hungaria bemüht, sich ins Leben der Stadt einzufügen. Die anfänglichen Wirtschaftsbeziehungen wurden stufenweise ausgebaut, sodass wir heute schon behaupten können, dass wir in Győr zu Hause sind. Wir unterstützen Kultur und auch Sport in der Region. Wir nehmen unsere gesellschaftliche Verantwortung wahr. Mit der Audi Hungaria Schule, dem Kindergarten und unseren Partnerinstitutionen fördern wir die Bildung der kommenden Generationen. Darüber hinaus unterstützen wir zahlreiche soziale Initiativen. 2018 haben wir erneut an das Krankenhaus in Győr gespendet, das zur Entwicklung der medizinischen Versorgung der Region beiträgt, sowie unter anderem der Stiftung Gézengúz eine Spende übergeben. Mit unseren Mitarbeitern zusammen unterstützen wir seit Jahren die Familienhilfsorganisation und das Obdachlosenheim in Győr und im Rahmen unserer fünf Freiwilligentage haben wir insgesamt 130 Bildungs-, Sozial-, Gesundheits- und Sportprojekte realisiert. 2018 haben wir insgesamt fast zwei Milllionen Euro für den guten Zweck gespendet. Mit unserem strategischen Ziel „Gesellschaftliche Verantwortung“ wollen wir den eingeschlagenen Weg fortsetzen.

Haben Sie in die Gestaltung und Umsetzung der Strategie auch die Mitarbeiter einbezogen?

Natürlich. An der Ausarbeitung unserer Strategie waren unsere Mitarbeiter aktiv beteiligt. So können sie ihre Aufgabe und ihre Rolle besser definieren und sich noch mehr mit der Strategie identifizieren. In unseren strategischen Zielsetzungen haben wir Handlungsfelder festgelegt, die wir gemeinsam mit unseren Mitarbeitern in sogenannten agilen Workshops erarbeitet haben. Beeindruckend waren die Dynamik und die Kreativität, mit der sich unsere Mitarbeiter beteiligten. Die so erzielten Ergebnisse machen Mut für die Zukunft, ich bin sicher, dass wir noch weitere ähnliche Methoden anwenden werden.

„Gesellschaftliche Verantwortung“

Eine kooperative Unternehmenskultur ist von entscheidender Bedeutung für den langfristigen Erfolg. Spielen hier die gemeinsamen Werte Ihrer Meinung nach eine ebenso wichtige Rolle?

Ja, ich bin der Überzeugung, dass wir für unser Unternehmen einen Rahmen festlegen müssen, in dem unsere gemeinsamen Werte die Formen der Kooperation und des Umgangs miteinander vorgeben. In diesem Sinne haben wir neben unserer neuen Strategie auch unsere Werte formuliert, die richtungsweisend für uns sind. Dazu zählen Wertschätzung, Offenheit, Engagement und Integrität. Für mich ist wichtig, dass alle unsere Kollegen nach diesen Werten handeln, weil ich mir sicher bin, dass wir die Audi Hungaria damit auch in Zukunft gemeinsam voranbringen können.