Eine für alle

Beschaffung aus Győr für die Welt


Die Beschaffung der Audi Hungaria ist nicht nur über Landesgrenzen, sondern auch über einzelne Marken hinaus tätig. Für sämtliche Standorte und Marken des Volkswagen Konzerns kauft sie Bauteile und Material aus aller Welt. Ein Praxisbericht.

Stellen wir uns einen großen Marktplatz vor, auf dem die Menschen mit ihren Einkaufskörben von Stand zu Stand eilen, um alles Notwendige für das Mittag- oder Abendessen zu besorgen. Viele von ihnen achten nur auf den günstigsten Preis. Andere sind wählerischer: Sie prüfen die Beschaffenheit und Qualität der Waren und merken sich die Händler, die ein gutes und verlässliches Angebot offerieren.

Auch die Mitarbeiter in der Beschaffung eines Großunternehmens sind wählerisch. Sie haben die nicht gerade einfache Aufgabe, auf den weltweiten Märkten die besten Partner zu finden – und dabei nicht nur auf den Preis zu achten, sondern auch die Aspekte Technologie und Qualität sowie Engagement und Flexibilität der Zulieferer zu berücksichtigen. So ist die Beschaffung ein komplexer Bereich, der Tag für Tag vor großen Herausforderungen steht – denn Beschaffung ist weitaus mehr als bloßer Einkauf.

Die Mitarbeiter dieses Bereichs bei der AUDI HUNGARIA Zrt. sind für ein außergewöhnlich breites Produktportfolio verantwortlich: Ihre Zuständigkeit umfasst nicht nur Autobauteile, sie müssen auch Rohstoffe, Anlagen, Maschinen, Arbeitskleidung und Dienstleistungen für den täglichen Betrieb des Unternehmens sicherstellen.

Das Team

Die Geschichte der Beschaffung bei Audi Hungaria begann im Jahr 1997. Damals bestand das Team aus sieben Mitgliedern, während im Werk etwa 1.800 Mitarbeiter tätig waren. In den vergangenen zwei Jahrzehnten sind die Aufgaben immer komplexer geworden, sodass die Abteilung heute aus mehr als 130 Mitarbeitern besteht. Sie sind Fachleute für jeweils einen bestimmten Bereich wie etwa Bauteile, Produktionsprozesse oder Dienstleistungen.

Die Einkäufer sind zudem auf einzelne Produkte spezialisiert und müssen nicht nur deren Details und Spezifikationen, sondern auch deren Produktionstechnologien genau kennen. Abhängig davon ist ihr Aufgabenbereich eng mit verschiedenen Partnerbereichen verbunden: Bei einer Entscheidung in der Beschaffung müssen nämlich auch Kriterien der Qualitätssicherung, der Logistik, der Entwicklung und der Nachhaltigkeit beachtet werden.

Unsere Spezialität: Verbindungstechnik

Rund6,5 Milliarden Schrauben pro Jahr.
Alle Schrauben, die in Győr in einem Jahr beschafft werden, der Länge nach aneinandergelegt, ergeben etwa vier Erdumrundungen.

Das Wesentliche einer Sache verbirgt sich oft im Detail. Haben Sie schon einmal überlegt, welche wichtige Rolle Schrauben und andere Verbindungen für ein Fahrzeug spielen? Ohne sie kommt weder ein Motor noch ein Auto aus. Doch kein Grund zur Sorge – solch entscheidende Teile sind bei Audi Hungaria in den besten Händen: Das Unternehmen gilt als Spezialist für Verbindungselemente, unter anderem deshalb, weil jede einzelne Schraube, die in den 45 Standorten des Volkswagen Konzerns zum Einsatz kommt, in Győr beschafft wird.

Die Verbindungstechnik in der Automobilproduktion entwickelt sich kontinuierlich weiter, sodass die Mitarbeiter bei der Beschaffung von Kleinteilen stets die neuesten Lösungen im Blick haben müssen. Daneben spielen Kosten­effizienz und Nachhaltigkeit eine immer wichtigere Rolle – zumal bei einer Summe von jährlich durchschnittlich 6,5 Milliarden Schrauben, die die Audi Hungaria einkauft.

Győrer Mitarbeiter beschaffen jährlich rund 15 Millionen Embleme und Schriftzüge.

Ungarische Zulieferer des Volkswagen Konzerns

Győrer Mitarbeiter beschaffen jährlich rund Bisher blieb unsere ungarische Heimat weitgehend unerwähnt, doch spielen inländische Zulieferbetriebe im Konzern eine wichtige Rolle – ganz abgesehen davon, dass die Zusammenarbeit mit heimischen Zulieferern für das Unternehmen auch eine Art Herzensangelegenheit ist. Von den fast 2.000 Lieferanten der Allgemeinen Beschaffung, welche die erforderlichen Mittel und Dienstleistungen für den Tagesbetrieb der Audi Hungaria bereitstellen, kommen 980 aus Ungarn.

In der Produktion, also der Serienbeschaffung, sind es insgesamt 52 ungarische Partner – zum Teil europäische Großunternehmen, die Tochterunternehmen in Ungarn betreiben, aber auch rein ungarische Firmen. Insgesamt liefern die ungarischen Partner des Konzerns von 195 Produktionsstätten aus Material und Teile im Wert von jährlich 0,5 Milliarden Euro direkt an Győr und von mehr als 4,0 Milliarden Euro an den Konzern. Embleme und Schriftzüge.

Grenzenlos

Für die Mitarbeiter der Beschaffung bei Audi Hungaria gibt es keine Grenzen: 2018 bestanden Kooperationsabkommen mit insgesamt 1.797 Zulieferern aus 50 Ländern. Zu den entferntesten zählen Japan, China, Taiwan, Malaysia, Brasilien, Mexiko, die USA und Kanada. Praktisch werden in Győr Betriebs- und Arbeitsmittel aus jedem Teil der Welt für jeden Teil der Welt beschafft. Was natürlich nicht bedeutet, dass das Material kreuz und quer durch die Lande zu den Produktions­standorten geschickt wird. Um auch die Kosten der Logistik zu optimieren, arbeitet das Unternehmen mit Lieferanten in den lokalen Märkten zusammen oder ermuntert Zulieferer dazu, ihre Produktionen möglichst in Kundennähe aufzubauen. Doch Audi Hungaria bündelt und vergibt Aufträge nicht nur über Kontinente hinweg, sondern auch markenübergreifend. Győrer Mitarbeiter beschaffen beispielsweise die Embleme und Schriftzüge für diverse Marken des Konzerns und heben damit in Anbetracht des gewaltigen Bestellvolumens bedeutende Synergien.

„Some call it procurement, we call it passion.

Unsere Beschaffungsverantwortung in Győr ist konzernübergreifend. Das macht die Aufgabe komplex, aber auch unglaublich spannend und abwechslungsreich.“

Alexander Ilmert Leiter Beschaffung

Beschaffungsquellen der Audi Hungaria

Győrer Einkäufer arbeiten in einem weltumspannenden Netz: Die mehr als 30.000 verschiedenen Teile, die sie von Produktionsstätten aus fünf Kontinenten beschaffen, werden immer zur richtigen Zeit an die richtige Adresse geliefert.

Die konzernweite Győrer Beschaffung ist eines der größten Beschaffungszentren des Volkswagen Konzerns.
Von weltweit 1.600 Produktionsstätten werden Teile beschafft.
Audi Hungaria arbeitet weltweit mit Zulieferern aus 44 Ländern.
Mehr als 130 Győrer Einkäufer sorgen für die globale Beschaffung.
Anzahl der Zulieferer aus Ungarn: insgesamt mehr als 1.000.
Anzahl der Zulieferer
Mit etwa 3.500 Zulieferern wird ein Einkaufsvolumen von über 3,5 Milliarden Euro abgewickelt.

„Beschaffung bedeutet für mich Leidenschaft und Berufung. Die täglichen Herausforderungen, die Komplexität und der Aufbau langfristiger Strategien machen diesen Job so interessant.“

Zsuzsa Bartal Fachkoordinatorin, Serienbeschaffung, Verbindungselemente

Compliance und Nachhaltigkeit

Verantwortungsvolles und vorschriftsgemäßes Verhalten erwartet Audi Hungaria grundsätzlich von allen Geschäftsbereichen und Mitarbeitern. Unter dem Stichwort Compliance vereint das Unternehmen die Normen und Maßnahmen, welche die Grundlage für regelkonformes Verhalten bilden. Dazu gehört der Code of Conduct, der die Audi Verhaltensgrundsätze bündelt, die für alle Beschäftigten der Konzerngruppe gelten.

Regelkonformes Verhalten wird auch von den Zulieferern des Unternehmens erwartet. Die Nachhaltigkeitsanforderungen in Bezug auf Umwelt, Soziales und Compliance an alle Geschäftspartner sind auch in einem Dokument geregelt, das Bestandteil der Lieferverträge ist.

Im Zeichen der unternehmerischen Verantwortung wird im ganzen Konzern viel Wert auf eine nachhaltige Lieferkette gelegt. Anfang 2019 wurde das Nachhaltigkeitsrating des Konzerns für Lieferanten auch bei der Audi Hungaria eingeführt mit dem Ziel, die Umwelt zu schonen und soziale Standards zu gewährleisten. Dabei werden zwölf übergeordnete Kriterien (wie Umweltbewusstsein, dabei Ressourcenschonung und Umweltmanagementsysteme; Schutz von Menschenrechten, dabei Vereinigungsfreiheit, Arbeits- und Gesundheitsschutz; transparente Geschäftsbeziehungen, dabei Kampf gegen Korruption) überprüft. Ab Herbst 2019 soll dieses Nachhaltigkeitsrating sogar als wichtiges Entscheidungskriterium bei der Auftragsvergabe an alle Lieferanten dienen. Nur Zulieferer mit einem positiven Ergebnis des Ratings können künftig Audi Partner werden. Damit wird Nachhaltigkeit zu einem ebenso wichtigen Auswahlkriterium wie Kosten, Qualität, technologische Kompetenz und Innovationskraft.

Innovationen in der Beschaffung

Ähnlich wie im gesamten Unternehmen spielen Innovationen auch in der Beschaffung eine wesentliche Rolle. Dabei geht es nicht nur um die modernsten Bauteile und Fertigungsverfahren, sondern auch darum, die Arbeit zeitsparender und kosteneffizienter zu gestalten. So führen Mitarbeiter der Beschaffung beispielsweise Verhandlungen mit internationalen Lieferanten oder Meetings mit Konzernabteilungen anderer Standorte nicht mehr zeitaufwendig vor Ort, sondern nutzen die Möglichkeiten des Internets für Online-Besprechungen, Videokonferenzen oder Gespräche via Skype.

Da Audi Hungaria auch in der Anwendung innovativer Lösungen Spitzenreiter bleiben will, forscht das Unternehmen kontinuierlich nach neuesten Methoden, die den Arbeitsalltag erleichtern. Ein Beispiel dafür ist der Aufbau eines Chatbots für die Beschaffung, an dem Entwickler derzeit arbeiten. Aufgabe des Chatbots ist es, häufige, an die Beschaffer gestellte Fragen sofort eigenständig zu beantworten. Dank eingebauter künstlicher Intelligenz ist es dem Tool möglich, sein „Wissen“ ständig zu erweitern.

Künstliche Intelligenz kommt auch in einem neuartigen 3D-Auswertungstool zur Anwendung. Dieses Tool vergleicht bereits beschaffte und zukünftig benötigte Teile anhand von vorhandenen technischen Bauteilinformationen und von 3D-Modellen. Auf dieser Grundlage erstellt es Ähnlichkeitsanalysen, mit deren Hilfe Bauteile konzernübergreifend vereinheitlicht und Kosten reduziert werden können – und erleichtert so die Arbeit der Kollegen.

Aufgabe des Chatbots ist es, häufig gestellte Fragen von Kollegen sofort zu beantworten.

Challenge 2018: der E-Motor

Das vergangene Jahr bedeutete nicht nur für die Produktion den Beginn einer neuen Ära. Die Serienproduktion der Elektromotoren stellte auch die Beschaffung vor neue Herausforderungen. Zum einen mussten sich die Mitarbeiter jede Menge Know-how zum Thema Elektromobilität aneignen, zum anderen hatten sie die wichtige Aufgabe, die besten Zulieferer für die neuen Produkte auszuwählen. So gehört etwa Kupferdraht zu den benötigten Materialien bei der Herstellung von E-Motoren. Die Győrer Beschaffung baute 2018 eine Kapazität von rund 300 Tonnen Kupferdraht für den gesamten Volkswagen Konzern auf. 

Győr im Herzen: In jedem
E-Auto
des Konzerns findet sich Kupferdraht – beschafft in Győr.

Insgesamt erwiesen sich die Herausforderungen in der E-Produktion als gewaltig. In der Startphase der neuen Produktion mussten Zulieferer mit entsprechend großen Kapazitäten gefunden werden. Zudem waren und sind natürlich auch Mitbewerber am Markt an verlässlichen Zulieferern interessiert. Diese wiederum reagierten in ihren Investitionen zum Teil eher zurückhaltend auf die noch neue Technologie. Erschwerte Bedingungen also für die Győrer Beschaffung, doch keine unlösbare Aufgabe: Die qualifizierten Einkäufer der Audi Hungaria haben auch diese Hürde genommen und stellen immer wieder die globale Beschaffungskompetenz des ungarischen Standorts unter Beweis. 

„Audi Hungaria baut seine globale Beschaffungskompetenz weiter aus und wird dadurch zu einem der größten markenübergreifenden Einkaufshotspots im Volkswagen Konzern. Damit hat unser Unternehmen eine bedeutende Rolle eingenommen, die auch zu unserer nachhaltigen und sicheren Zukunft beitragen wird. Im Lieferantenmanagement – wie auch in unseren Kerngeschäften – sind die obersten Leitprinzipien Qualität, Wirtschaftlichkeit, Compliance und Nachhaltigkeit.“

Axel Schifferer Vorstand
Finanz, IT, Beschaffung und Compliance
Axel Schiffer